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Friedrich Zirm: der Zungenkünstler

Friedrich Zirm wurde 1963 in Heidenheim geboren. Auf Grund eines Sauerstoffmangels während der Geburt wurde sein Bewegungszentrum im Gehirn geschädigt, wodurch er weder Hände noch Füße koordinieren kann und aufgrund seiner spastischen Lähmung auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Friedrich Zirm malt deshalb mit dem Stift im Mund, seine Zunge spielt dabei eine wichtige Rolle. So ist Friedrich Zirm ein bildender Künstler, dessen Kunst auf Zungenfertigkeit basiert - eine Eigenschaft, die man sonst eher bei einem Lyriker erwartet. So beziehen Zirms Kunstwerke ihre besondere Poesie aus diesem einzigartigen Spannungsfeld zwischen selbstbestimmter Kreativität und fremdbestimmter Steuerung durch Umstände von außen.

"Mensch, Kunst und Kunstwerk liegen bei mir enger zusammen als bei den meisten Menschen, welche die Kunst in den Vordergrund ihres Daseins wählten. Bei mir als physio-motorisch annähernd maximal eingeschränktem Menschen verschmelzen Person, Umsetzung und Ausdruck zum Produkt des Schaffens, zum Kunstwerk."

Zirm studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Nach Stipendien in Rom und Andalusien lebt und arbeitet er seither als freischaffender Künstler in Stuttgart. Viele Ausstellungen und Auszeichnungen wie der Baden-Württembergische Kunstpreis folgten.

Kunst-Grafiken mit Kohle

Friedrich Zirm begann seine künstlerische Laufbahn mit Kunstgrafiken, die ebenso großformatig wie minimalistisch sind. Er startete mit Kohle-Zeichnungen, die mit Mund und Zunge auf eine Staffelei mit Papier gebracht wurden und die mit einfachen Mitteln viel ausdrücken.

Friedrich Zirm als Kunst-Maler

Seit dem Jahr 2012 bewegt sich Zirm weg von der schwarz-weißen Grafik hin zur Gestaltung von reliefartigen, farbigen Platten, die er mit Hilfe eines ferngesteuerten Autos Schicht für Schicht entwickelt. Die Steuerung seines "Malroboters" übernimmt Zirm ebenfalls mit der Zunge.

Kunst-Filme

Er produzierte mehrere Kurzfilme, in welchen er selbst Regie führte und als Darsteller wirkte.

Schmuck-Kunst

Zirms Vision ist es, Kunst in den Alltag der Menschen zu integrieren und die Kunst näher an den Menschen zu bringen - an den Körper, an die Haut. Das setzt er um, indem er mit dem Mund kleine Kohle-Grafiken zeichnet, die geschützt unter einem flachen, geschliffenen Bergkristall in von ihm designte Schmuckstücke verarbeitet werden. Die so entstandenen Schmuckstücke sind allesamt Unikate, die eine Symbiose zwischen Kunst und Schmuck bilden. Sie sind das einzigartige Ergebnis seines derzeitigen Wirkens.

Friedrich Zirm über Friedrich Zirm

"Seitdem die Menschen in sozialen Gemeinschaften leben, übernimmt die Kunst als freies, von materiellen Zwängen losgelöstes Gestalten eine sehr wichtige Aufgabe. Wenn man so will, ist sie das Fett im Getriebe der Gesellschaft. Sie hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unser seelisches Gleichgewicht und damit auf unser persönliches Wohlbefinden. Ohne die Kunst wäre unser Leben um einiges ärmer. Wir würden versinken im täglichen Kampf um die Beschaffung des materiell Notwendigen.

In unserer Zeit, in der dem Konsum eine immer größere Bedeutung zugemessen wird, hat das Produkt als Sinn spendendes Element einen großen Stellenwert erlangt. Die Zukunft wird zeigen, dass die Qualität des Lebens nicht nur an äußeren, materiellen Werten festzumachen ist, sondern dass der Mensch wieder mehr Augenmerk auf das innere Gleichgewicht, auf seine Seele richten wird, richten muss! An dieser Stelle kann ich als Künstler einen effektiven Beitrag leisten: die Kunst ist für den Menschen da. Sie ist ein Kommunikationsmittel, ein Lebensmittel.

In meinem Grundverständnis begreife ich die Kunst als ein Lebensmittel, sie kommt aus uns, wirkt als Verbindung zwischen uns, als Kommunikator zwischen den Kulturen, als Brücke zwischen Geschichte des menschlichen Seins und kreativen Gestaltens für die Zukunft."
Friedrich Zirm.